Shanties in den Schweizer Alpen

Der Husumer Shanty-Chor gastierte in der Schweiz


"Wie passen denn Jodler und Shanties zusammen?" - Das war die Frage, vor die wir, der Husumer Shanty-Chor, im Sommer 2001 gestellt wurde, als ein Schweizer Jodler-Klub anregte, in Husum ein gemeinsames Konzert zu veranstalten. Das Ergebnis war dann ein gelungener Abend im Husumer Osterkrug. Diese Begegnung führte zu einer Einladung zu einem Gegenbesuch in der Schweiz.

Der Jodlerklub Altstätten/Ostschweiz hatte ein vielseitiges und interessantes Programm für uns zusammengestellt, welches mit einer Fahrt nach Bad Ragaz im St. Galler Rheintal begann. Das Charakteristische und die Geschichte der Taminaschlucht, aus der Bad Ragaz sein warmes Quellwasser bezieht, wurde uns durch eine sachkundige Führung im Verlauf einer Wanderung erklärt.
Auf der Rückfahrt machten wir einen kleinen Abstecher nach Vaduz, der Hauptstadt des Steuerparadieses Liechtenstein.

Der folgende Tag begann mit einer Fahrt nach Appenzell zur Schaukäserei Stein des berühmten Appenzeller Käse. Nachdem die herrliche Landschaft über Serpentinen mit dem eigenen Bus erschlossen wurde, wählte man für die Rückfahrt die Zahnrad-Schmalspurbahn. Nachdem wir wieder in Altstätten angekommen waren, erlebten wir erstmals die überaus große Gastfreundschaft bei einem Empfang in der Stadthalle. Hier hatten wir die Gelegenheit die Grüße der Stadt Husum und die mitgebrachten Geschenke zu überbringen.

Nach einem Besuch des Ortsmuseums und einer Stadtführung konnten wir uns für das erste Konzert am Abend erholen, welches im Wechsel vom Jodlerklub, Alphornbläsern und unserem Chor gestaltet wurde. Beide regionalen Zeitungen berichteten von dem Erfolg und dem Eindruck, den wir Nordfriesen bei ihnen hinterließen. Wie in den Bergen üblich folgte dem Konzert ein Theaterstück in Schweizer-Deutsch, von dem wir natürlich kaum etwas verstanden haben, und Tanz bin 2 Uhr.

Der folgende Sonntag galt zunächst einer Fahrt rheinabwärts an den Bodensee und in die Kantonhauptstadt St. Gallen mit Besichtigung der weltbekannten Stiftsbibliothek und der Kathedrale. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass in den Kreuzgängen Shanties erklangen und der Stellvertreter des Bischofs anlässlich eines feuchtfröhlichen Empfangs bei "Rum aus Jamaika" mitschunkelte.

Weiter ging die Fahrt nach Häggenschwil, wo das dortige Jodelchörli uns zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen hatte. Doch zuerst wurde bei Kaffee und Torten die Gastfreundschaft wieder unter Beweis gestellt, die nach dem Konzert noch einem "urchigen Schweizer Nachtessen", einem Käse-Fondue, gipfelte.

Anscheinend war es nicht schwer, die Schweizer mit den ungewohnten Shanties zu begeistern, denn der Applaus wollte auch bei diesem Konzert nicht enden, was sich besonders beim Verkauf der mitgebrachten CDs und MCs zeigte. Und das anschließende gemütliche Beisammensein musste gewaltsam abgebrochen werden, da der kommende Tag noch einmal alle verfügbaren Reserven beanspruchte.
Denn da ging es auf den höchsten Berg der Region: den Säntis.

Wieder erlebten wir mit unseren Mitreisenden auf dem Weg dahin die schöne Bergwelt mit grünen Hängen, weidendem Vieh und sauberen Gehöften, welche oft mit Blumenschmuck verziert waren. Vorbei ging es an Appenzell, Urnäsch und Schwägalp zur Talstation der Säntis-Schwebebahn, die innerhalb von 10 Minuten Bergfahrt die Gipfelstation erreichte.

Nach einer interessanten Besichtigung der technischen Anlagen hatten einige Unentwegte die Möglichkeit, bei heftigem Wind, dichten Wolken und durch den Schnee den eigentlichen Gipfel zu ersteigen. Der im Gipfelrestaurant danach eingenommene Imbiss brachte die verlorenen Kräfte zurück, bevor die Talfahrt angetreten wurde.

Die Busfahrt durch das Toggenburg-Land führte wieder an vielen landschaftlichen Sehenswürdigkeiten vorbei und endete so rechtzeitig, dass man sich auf den Abschiedsabend mit einem gemeinsamen Essen mit dem gastgebenden Chor vorbereiten konnte. Dankesreden und der Austausch von Gastgeschenken, sowie Liedervorträge füllten die nächsten (und letzten) Stunden unserer Schweizreise aus, die ganz eifrige Sänger auch bis zur Kofferverladung um 6.15 Uhr voll ausnutzten.

Als dann um 7.45 Uhr unser Bus vom Hotel abfuhr, waren trotz der kurzen Nacht schon wieder Vertreter des Jodler-Klubs da, um ihren abreisenden Gästen noch einmal mit einem Schweizer Fähnchen nachzuwinken.


Damit endete dann unsere 6-tägige Schweizreise voller Herzlichkeit und vieler Eindrücke und mit dem Versprechen: "Im nächsten Jahr sehen wir uns in Husum wieder!"